Póžedaju se, wjasć finalnu diskusiju wó nastaśu a wužywanju zapśimjeśow Serbow w Dolnej Łužycy w oficielnych dokumentach a wašni wuraza Serbskego sejma.
Póžedowaŕ pšosby staja, až se w oficielnych dokumentach jano „serbska zapśimjeśowosć“ nanejmjenjej nastupajucy Dolnu Łužycu nałožujo.
Wobtwarźenje (nic źěl póžedanja):
Doněnta njejo žedno wobzamknjenje Serbskego sejma k toś tej tematice. We wšednem žywjenju wjeźo pśecej zasej k njejasnosći abo rozgórjonosći, dokulaž dajo kontrarne naglědy k tomu. Wósebnje identita dolnołužyskich Serbow jo pśez pśez pśez pśez pśezcuzbnjenje dekret k „Narownanju serbskeje wobraznosći pśez serbsku“ z 1949 charakterizěrowana, kótaraž jo wjadła gromaźe z drugimi stalinistiskimi napšawami ranych 1950tych a 60tych lět ke kolektiwnemu rěcnemu wustupoju w Dolnej Łužycy a źělam ewangelskeje Górneje Łužyce. Zapśimjeśa „Serbski a Serby“ su se z dekretom kumštnje stwórili, su stalinistiski-socialistiski charakterizěrowane, wót wětšy źěl ludnosći wótpokazane a naslědku teke zamóžne, towarišnosć dalej rozšćěpiś. Identita luźi w Dolnej Łužycy wisy ako wěcej razow wědomnostnje dokumentěrowana (pśirownujo. M. Norberg 1991, Uppala) na serbskej wopśimjeśiwosći. Wót lěta 1999 kompromisowana wašnja pisanja „serbski / serbski“ njejo jadnotnje póstajona, daniž njama žednogo wobchadnorěcnego zakłada. Wušej togo se njegóźi ta forma pomjenjenja, nastupnosći Serbskego sejma w ludnosći transportěrowaś abo luźi dojśpiś. Južo w zachopkach diskutěrowana warianta łužyskich Słowjanow by w praksy nejskerjej tejerownosći wótpokazujucych stojnišćow wjadła. Zapśimjeśe „Serby a Serby“ pak wopśimjejo a zwězujo wšykne, kuždy móžo se nagronjony cuś a musy lubowany, dokulaž familijowe identity njespušćaju. Kuždy móžo se z tym dojśpiś.
K wujasnjenju ma se na to pokazane, až by we wósobinskem pismje wótpósłańcow kuždemu pśewóstajone wóstało, swóju nejlubšu wašnju pisanja wužywaś. Wobzamknjenje ma se do jadnańskego pórěda Serbskego sejma pśewześ.
Gegenrede von Peter Kroh (per E-Mail am 28.08.2025):
Eine Betonung der (leider historisch-traditionell üblichen) Unterscheidung ( Trennung ? / Teilung ? Spaltung?) des sorbischen Volkes in „Wenden“ und „Sorben“ ist meines Erachtens grundsätzlich sachlich falsch und liegt politisch prinzipiell nicht im Interesse der Ziele des Serbski Sejm.
Meine Begründung in 10 Punkten:
- Zunächst einmal etwas „oberflächlich“: In Cottbus und in Bautzen gibt es je ein Museum mit den gleichlautenden und gleich geschriebenen Namen „SERBSKI MUZEJ“. In deutscher Sprache heißt das eine „Wendisches Museum“ und das andere „Sorbisches Museum“ Ist es schlüssig oder irritierend das gleiche sorbische Wort völlig unterschiedlich ins Deutsche zu übersetzen?
- Aus den Alltagsgesprächen mit meiner Großmutter Else Skala (etwa zwischen 1950, dem Jahr meiner Einschulung in die Sorbische Grundschule am Bautzener Reichenturm und ihrem Tod 1974) erinnere ich mich dass sie mir erklärte, das Wort “Wenden“ und alle Ableitungen davon seien in in ihrem Ursprung und in ihrer Verwendung durch Deutsche stets abwertend, verächtlich machend benutzt worden. „Wendsche Hanka“ war eine Art Schimpfwort für sorbische Frauen, die in Haushalten deutscher Familien arbeiteten. Der Vorname der Sorbinnen spielte keine Rolle. Person und Persönlichkeit wollte man nicht beachten, das heißt auch: nicht achten! Es genügte eine allgemeine Bezeichnung „von oben herab“. „Wendei“ war ein seit Kaisers Zeiten üblicher Name für das sorbische Siedlungsgebiet. 1920 gründeten deutsche Staatsbeamte eine Behörde zur Bespitzelung und Bekämpfung der Sorben. Sie hatte in Bautzen ihren Sitz und hieß „Wendenabteilung“.
- Auf einer Beratung zur Schaffung dieser Behörde sagte Prof. Kötzschke, Direktor des Seminars für Landesgeschichte und Siedlungskunde an der Leipziger Universität,am 20.1.1920: “Gerade die landesgeschichtliche Forschung sei unmittelbar berufen, die Meinungsbildung von der Primitivität der Wenden und Slaven wissenschaftlich zu untermauern“, so werde „die wendische Bewegung zur Lächerlichkeit verurteilt“ und die „wendischen Nationalisten schließlich selbst von der Fruchtlosigkeit ihrer Bestrebungen überzeugt“. Dazu „müsse aber vor allem der Gefahr der Herausbildung eines eigenen geschichtlichen Bewusstseins unter den Wenden (begegnet werden)“, denn „gerade die Geschichtslosigkeit der Wenden sei ein Garant für ihr beschleunigt zu erstrebendes Aufgehen im Deutschtum.“ (SKA W XII-3/A Die Wenden und der tschechoslowakische Staat. Annektionsbestrebungen 1920-1927, Aussprache im Reichsaußenamt über weitere geeignete Maßnahmen zur Beachtung der Wendenfrage, Blatt 1 ff)
- Jan Skala beschäftigte sich mehrfach mit diesem Thema. In der Besprechung des Buches von Josef Páta „Das kulturelle Leben der Lausitzer Serben nach dem Weltkriege“ hob er hervor: „Die deutschsprachige Literatur über die Lausitzer Serben – wissenschaftlich unzutreffend ‚Wenden’ genannt – ist nicht sehr reichhaltig […], außerdem nicht erschöpfend […] oder aus unkontrollierbaren Quellen tendenziös zusammengestellt.[…] All diese Nachteile wirkten und wirken sich in der öffentlichen Meinung und ihrer Urteilsbildung, speziell über das Kulturniveau und die eigenkulturelle Betätigung dieses westslavischen Restvolkes der polabischen Slaven, sehr ungünstig aus und sind im Kern „ eine politische Zwecklüge“. (Kulturwehr 7/1930).
- Franz Tetzner (1863 – 1919 , deutscher Lehrer, Ethnologe und Regionalhistoriker) empfiehlt aus wissenschaftlichen Gründen, den Namen ‚Wenden‘ als Volksnamen für die Lausitzer Serben (Sorben) fallen zu lassen. ( Die Slawen in Deutschland. Beiträge zur Volkskunde der Preussen, Litauer und Letten, der Masuren und Philopponen, der Tschechen, Mähren und Sorben, Polaben und Slowinzen, Kaschuben und Polen“ ; Vieweg, Braunschweig 1902). Skala fügt in seiner Rezension an: “Heute jedoch hat sich die Bezeichnung „Wenden“ vor allem in der Niederlausitz so verfestigt, dass damit vor allem die Unterschiede und Gegensätze zu den Sorben der Oberlausitz betont werden. Ich sehe darin einen traurig stimmenden Beleg für das erfolgreiche „Teile und Herrsche der damals und heute an Germanisierung Interessierten.“ ( Kulturwehr 1/1931)
- In der Besprechung eines deutschsprachiges Buches über Michał Frencel (1628 – 1706 ; obersorbischer Schriftsteller und evangelisch-lutherischer Pfarrer ) lobt Skala zum einen, dass der Autor Röseberg nicht nur die Evangelienübersetzung von Frencel als eine religiös wichtige und zugleich kulturgeschichtlich und sprachwissenschaftlich bedeutsame Leistung bewertet. Zum anderen hebt Skala „mit besonderem Nachdruck“ hervor, dass der Autor Röseberg wie Michał Frencel die Bezeichnung ’Wenden’ ablehnt und fast durchgängig dafür ’Sorben’, ’sorbisch’, ’obersorbisch’ setzt.“ Im Gegensatz dazu – so Skala – hielt die Leipziger „Stiftung für die deutsche Volks- und Kulturbodenforschung“ in einer mehrbändigen Publikationsreihe zu „Geschichte und Volkstum der Wenden“ unbeirrt an dieser Fehlbezeichnung fest. (Kulturwehr 1/1931)
- Jahre später bemängelte Skala, dass die „Lausitzer Serben, die in ihrer eigenen Muttersprache ’Serbja“ oder zur Unterscheidung von ihren südosteuropäischen Verwandten ’Łužiscy Serbja’ heißen, in deutscher Sprache immer noch mit einem Namen bedacht (werden), der weder wissenschaftlich noch tatsächlich haltbar ist: Die ’Wenden’. Sofern diese Bezeichnung von der lateinischen Form […]’Venetae’ entlehnt wird, ist sie historisch unzutreffend, weil der ursprünglich so benannte Volksstamm nicht mehr existiert. Die später auf alle nicht näher bezeichneten slavischen Volksstämme angewandte Benennung: Wenden, Winden usw. ist ungenau und ist schon deshalb […] abzulehnen. Wird aber mit der Bezeichnung ’Wenden’ die nationalimperialistische Tendenz und Absicht verbunden, die so bezeichneten Westslaven als nichtslavisches oder gar als germanisches Volkstum erscheinen zu lassen, so muss das entschieden bekämpft werden.Leider wird bis in die neueste Zeit die Bezeichnung ’Wenden’ tatsächlich in diesem national expropriierenden Sinne gebraucht, um den slavischen Charakter des Volkstums in eine ’neudeutsche Stammeszugehörigkeit’ auf Grund der deutschen, sogenannten Kulturbodentheorie umzudeuten. Dabei ist die ältere Generation der Lausitzer Serben selbst so gedankenlos gewesen, sich diese deutsche Bezeichnung aufdrängen zu lassen, obwohl die Führer der nationalen Renaissance um 1840 den viel treffenderen und durchaus richtig abgeleiteten Terminus ’Sorben’‚’sorbisch’ gebrauchten, aber auch an der erforderlichen konsequenten Anwendung in ihren deutschsprachigen Werken nicht festhielten.“ (Kulturwehr 9/1933)
- Um derartige Auffassungen im sorbischen Volk durchzusetzen, wurden zielgerichtet Standpunkte der als Quasi-Wissenschaft betriebenen Nazi-Volkskunde genutzt. Professor Steller (1895 – 1971, er kam seit 1933 in SA-Uniform zu seinen Vorlesungen an der Universität Breslau) z.B. behauptete, bei den Sorben finde sich nichts Slawisches, die nationalen und kulturellen Eigenheiten der Sorben seien Teil des deutschen Volkstums, die Sorben seien wendisch-sprechende Deutsche. Darüber hinaus formulierte er, die Sorben stammten von den Vandalen, denn es gebe ja eine deutliche Ähnlichkeit zwischen den deutschen (!!) Wörtern Wende und Wandale. Ein US-amerikanischer Wissenschaftler stellt lakonisch fest: „Es war die Zeit für Fantasien wie dieser“. (Todd Huebner : Ethnicity Denied: Nazis Policy towards the Lusatian Sorbs. (Negierte Ethnizität: Die Nazi-Politik gegen die Lausitzer Sorben) In: German History Vol.6 No.3 (1988), S.275 / Helmut Schaller bezeichnet Steller als „Vater der Antislawentheorie“ (in: „Der Nationalsozialismus und die slawische Welt“, Regensburg 2012, S.290 )
- Am 13.1.1936 wurde der Domowina eine vom Reichs- und Preußischen Ministerium des Innern genehmigte neue Satzung zugestellt. Die Nazis forderten, sie müsse von der Domowina anerkannt werden, sonst „müsste zur Auflösung der Domowina geschritten werden.“ Die Zwangs-Satzung definierte die Domowina in §1 als „Bund wendischsprechender Deutscher e.V.“ ; legte in § 3 als Zweck fest, der Bund solle „sich der Stammes- und Brauchtumsfragen des wendischen Stammes im Rahmen des deutschen Volkes und Staates anzunehmen“, und bestimmte in § 4 „jeder ehrbare wendischsprechende Deutsche und jede ehrbare wendischsprechende Deutsche“4 kann Mitglied werden. ( Wokolnik wšitkim sobustawam Domowiny, SKA D 1 / 13 C, Blatt 2) Die Domowina (insbesondere Pawoł Nedo) erkannte die hier vorhandene Gefahr, den Sorben nicht „nur“ keine Rechte zu gewähren, sondern sie völlig zu eliminieren. In einer Domowina-Vertrauensleute-Versammlung am 19.1.1936 lehnten die Teilnehmer einstimmig „den erniedrigenden Entwurf“ ab und bewerteten das Vorgehen der Nazis als „unerträglich und unzulässig“, weil es darauf ziele, „den Volkstumscharakter der Lausitzer Sorben und ihrer Volkstumsorganisation durch Anordnungen und Befehle zu beseitigen.“(ebd. Blatt 4 / eine Beschreibung dieser Versammlung, vor allem zu dem Auftreten von Skala und Alojs Andricki findet sich bei: Pawoł Krawc-Lemišowski in dem Büchlein „A tola Serbam Lipa kće“ , Budyšin 1962; S 88-95 )
- Roland Steinacher (österreichischer Althistoriker, geb.1972) begründet ausführlich, in seiner leider unveröffentlichen Dissertation, dass es keine ethnische Kontinuität von den Venethi /Venedi zu den Wenden gibt. (Studien zur vandalischen Geschichte. Die Gleichsetzung der Ethnonyme Wenden, Slawen und Vandalen vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert. In: homepage.uibk.ac.at. 2002,archiviertvom Original (nicht mehr online verfügbar) am 13. Mai 2006; abgerufen am 19. April 2019).
Mein Fazit /mein Vorschlag:
- Der Sejm sollte die derzeit übliche Benennung „Wenden und Sorben“ hinnehmen. Sie ist eine gewohnheitsmäßig eingebürgerte Bezeichnung. Niemand kann und will sie per Beschluss außer Kraft setzen.
- Politisch für die Rechte und Interessen des ganzen sorbischen Volkes eintretende Sorben und Deutsche aber sollten die historisch falsche und politisch spalterische Fehlbezeichnung nicht durch eigene Aktivitäten und Beschlüsse kräftigen /festigen.
- Könnten wir / sollten wir eventuell von den Lausitzer Slawen sprechen ? Diese Bezeichnung wäre geografisch und ethnisch korrekt und würde die Gemeinsamkeiten im sorbischen Volk betonen, ohne die Unterschiede zwischen der Niederlausitz und der Oberlausitz zu verwischen.